Wissenswertes
Draußen liegt Schnee, im Obstkorb liegt eine Frucht, die aussieht wie eingefangene Sonne. Alles andere hat Winterpause — nur die Orange hat Hochsaison.
Wisst Ihr eigentlich, warum die Orange ausgerechnet dann bei uns liegt, wenn sonst kaum noch etwas wächst? Ich habe das jahrelang für einen Trick der Supermärkte gehalten: Sonne im Netz, pünktlich zu Weihnachten. Stimmt aber nicht.
Die Orange weiß nämlich gar nicht, dass sie bei uns exotisch sein soll. Sie ist eine Frucht der Subtropen auf der Nordhalbkugel und reift dort etwa von November bis April. Den ganzen Sommer über hängt sie grün am Baum und braucht am Ende kühle Nächte, damit die Schale ihre Farbe bekommt — süß ist sie innen längst vorher.
Das heißt: Wenn bei uns die Heizung läuft, ist in Valencia Erntezeit. Die Orange ist also kein Winter Luxus, sondern ganz banale Saison Ware. Wir haben nur vergessen, dass es so etwas überhaupt noch gibt.
Drei Dinge über die Herkunft
Brasilien liegt vorn: Der mit Abstand größte Orangen Produzent der Welt ist Brasilien, vor China, Indien und Mexiko. Der Großteil dieser Ernte wird allerdings zu Saftkonzentrat gepresst.
Spanien füllt unser Netz: Frische Ware kommt bei uns meistens aus dem Mittelmeerraum: Spanien ist der wichtigste Lieferant, dazu Italien, Griechenland, Marokko und die Türkei.
Zwei Biografien: Die Orange in Eurem Frühstücksglas hat also fast nie dieselbe Herkunft wie die in Eurer Obstschale. Guckt einfach mal aufs Etikett.
Der Haken heißt Wasser
Zitrusbäume sind durstig, und in Spanien wird dafür bewässert — in Regionen, die seit Jahren mit Dürre kämpfen. Rund um Andalusien und das Feuchtgebiet Doñana sinkt der Grundwasserspiegel spürbar, der Nationalpark ist streckenweise trockengefallen. Dazu die üblichen Monokultur Probleme: wenig Artenvielfalt, viel Pflanzenschutz, müde Böden. Der Transportweg ist dabei ehrlich gesagt das kleinere Übel — es fehlt weniger am Schiff als am Wasser im Boden.
Esst Eure Orangen — aber esst sie im Winter, dann sind sie am ehrlichsten !!!


















